Bericht vom 14.05.02
1.- SCHÜLER I, II und III
Schüler I:
Diese drei Sommermonate verliefen ruhig, es gab nichts
Neues. Es waren allerdings auch erheblich weniger Kinder da, denn viele
Eltern ließen ihre Kinder beurlauben, in den meisten Fällen,
um sie aufs Land in ihre Heimatdörfer zu schicken.
Mit den Kindern, die hiergeblieben waren, widmeten wir
uns vor allem den Freizeitbeschäftigungen, einige (die ältesten)
nahmen an den Schwimmkursen teil und im Monat März standen natürlich
die Wiederholungen im Vordergrund, um für das neue Schuljahr vorbereitet
zu sein. Das Verhalten war gut, hauptsächlich weil es so wenige Kinder
waren.
Schüler II:
Alle Schüler, die die Nachprüfungen in der
Schule zu machen hatten, schlossen gut ab, auch in dieser Gruppe gab es
aus den gleichen Gründen wie in der ersten Gruppe nur wenige Schüler.
Sie wurden auf die gleiche Art beschäftigt wie die Schüler der
Gruppe I, denn in den Ferien ist das Programm für die drei Gruppen
gleich. Das Verhalten war in Ordnung.
Schüler III:
Das Mädchen Patricia C. wurde nicht versetzt, weil
sie nicht genügend vorbereitet war, sie kann deshalb nicht ins Heim
aufgenommen werden, bevor eine wesentliche Besserung eintritt. Ich sprach
bei verschiedenen Gelegenheiten persönlich mit ihr und empfahl ihr,
sich Mühe zu geben, da sie sonst nicht ins Heim kommen könnte,
doch das schien ihr nicht sehr wichtig zu sein. Dem Schüler César
H. erwies seine Lehrerin einen Gefallen, wie sie selbst sagt, indem sie
seine Versetzung zuließ. Ich bin allerdings der Meinung, daß
dies kontraproduktiv ist, denn er ist daran gewöhnt, sich nur minimal
anzustrengen und jetzt weiß er, daß nicht viel Fleiß
nötig ist, um versetzt zu werden.
Die übrigen Kinder, die den Wiederholungskurs in
der Schule machten - es waren nicht viele - arbeiteten gut und wurden ohne
Schwierigkeiten versetzt. Das Ferienprogramm war dasselbe wie bei Stufe
I und II, sie betrugen sich auch gut, doch hier spielte die geringe Anzahl
ebenfalls eine Rolle.
2.- VORSCHULKINDER
In diesen drei Monaten stand das Ausruhen und die Entspannung
im Vordergrund, vor allem bei den Kleinsten. Die anderen, die jetzt zur
Schule kommen, mußten sich allerdings intensiv vorbereiten. Bei den
Aufnahmeprüfungen in den verschiedenen Schulen schnitten einige besser
ab als andere, aber schließlich wurden alle aufgenommen. Wie wir
schon im vorigen Bericht erwähnten, muß der Unterricht in dieser
Gruppe besser werden, denn die Kinder könnten bessere Leistungen zeigen.
Auch in dieser Gruppe war die Anzahl der Kinder aus den
obenerwähnten Gründen gering, was nicht ohne Einfluß auf
ihr Verhalten blieb. Es besserte sich sehr und es gab viel weniger Geschrei
und Aggressionen als sonst .
3.- DIE JÜNGSTEN (DAS NEST)
Auch für diese Kinder waren die drei Monate eine
entspannte Zeit, allerdings wiederholten wir auch ihren Lernstoff mit ihnen,
um das, was sie in diesem Jahr gelernt haben, wieder aufzufrischen.
Wie ich Ihnen schon im letzten Bericht sagte, machten
diese Kinder sehr ermutigende Fortschritte, allerdings bleiben noch einige
Dinge, die verbessert werden können und daran versuchen wir zu arbeiten.
Das Verhalten war wie immer, Nicolas jedoch stört
mehr als alle anderen zusammen, es ist manchmal sehr frustrierend. Spricht
man mit ihm, wenn er ungezogen ist, scheint er taub zu sein, er ist sehr
starrköpfig und sein Betragen ist nicht mehr nur unartig zu nennen,
sondern es überschreitet die Grenze zur Unerzogenheit. Nachdem wir
mit seiner Mutter gesprochen haben, bessert er sich jeweils, aber nur für
kurze Zeit. Wir werden sehen, wie es weitergeht, denn wenn sein Verhalten
die anderen Kinder zu sehr verstört, müssen wir für die
Beruhigung der Mehrheit sorgen.
4.- GESUNDHEIT
4.1 Im Februar wurde die Papanicolaou-Untersuchung der
Mütter abgeschlossen, die beim ersten Termin gefehlt hatten.
4.2 Wachstums- und Entwicklungskontrolle erfolgte bei
allen Kindern mit Unterstützung des Francisco-Bolognesi-Zentrums.
5. SOZIALES
Miriam fuhr mit ihren täglichen und routinemäßigen
Aufgaben fort, richtete jedoch ihre Aufmerksamkeit auch auf die Koordinierung
der Lernarbeit mit den Kindern. Damit meine ich ihre Beschäftigung
mit den Erzieherinnen, die effektvollere Methoden zur Unterrichtung der
Kinder erarbeiten sollen. Mit dieser Arbeit ist sie nicht sehr zufrieden,
denn es ist manchmal eine undankbare Sache, mit dem Personal zu arbeiten,
die meisten von ihnen sind empfindlich gegenüber jeder Art von Kritik
und beim kleinsten Anlaß beleidigt. Sie machte ihnen jedoch klar,
daß zu jeder Arbeit eine Aufsicht gehört und daß die Supervisionen
den Zweck haben, die Arbeit zu verbessern, daß sie außerdem
auch ihnen selbst zugutekommen, weil sie auf lange Sicht mehr Erfahrung
in der Gruppenarbeit erwerben. Die Fortschritte bei dieser Integration
zeigen sich langsam, aber es gibt sie und das ist das Wichtigste.
6.- PRAKTIKANTEN
Helene Ullrich und Selja Rogalla arbeiteten bis Anfang
Februar. Am 15.Januar begann Stefanie Müller, die gegenüber allen
sehr kooperativ und hilfsbereit ist, man braucht sie nicht lange zu bitten,
sie ist immer bereit, Beistand zu leisten. Am 4.März kam Barbara Grundi
an, die auf der gleichen Linie liegt wie Stefanie, es macht Spaß,
mit ihnen zu arbeiten.
7.- WERKSTATT
Zur Weihnachtszeit nahm der Verkauf von Weihnachtskarten
zu, was uns sehr freute. Von Zeit zu Zeit kommen Leute und kaufen unsere
Produkte hier im Heim, meistens sind es Ausländer, manchmal findet
jedoch auch ein Peruaner den Weg zu uns.
Wir führen unseren Verkauf im Aussichtspunkt Carmen
Alto fort, wo immer etwas verkauft wird.
Im Januar kam die neue Auftragsliste an, woraufhin sofort
mit der Herstellung der Sachen begonnen wurde.
Die Weihnachtsfeier, an der alle Kinder teilnahmen, war
auch für die Frauen aus der Werkstatt eine Gelegenheit, teilzunehmen
und sich an den Kindern zu freuen.
8. - SICHERHEIT
Die Zusammenarbeit mit der Nationalen Polizei geht weiter,
es gab keinen Ärger.
9. - WEIHNACHTSFEST
Diesen ganz besonderen Tag fanden die Kinder wunderbar,
wir feierten ihn sehr schön, hauptsächlich dank der pekuniären
Unterstützung, die die Familien Rogalla und Ullrich in Deutschland
für uns erzielt hatten.
Mit diesem Geld kauften wir den Kindern Wäsche (2
Unterhosen und 2 Paar Strümpfe), sowie 1 T-Shirt für jedes Kind.
Das Geschenk in Form irgendeines Spielzeugs kam vonseiten der Leute, die
mir die Pakete aus Deutschland schicken, wir konnten bei dieser Gelegenheit
nur 5 Pakete bei der Post abholen, hatten jedoch noch anderes Spielzeug
hinzuzufügen, das von früheren Weihnachtsfesten übriggeblieben
war.
Außerdem wurde mit diesem Geld noch eine gute Mahlzeit
vorbereitet, die aus einem gebratenen Hähnchenviertel mit Bratkartoffeln
und Salat bestand, nach der Aufführung verteilten wir Schokolade und
Gebäck sowohl an die Kinder wie auch an die Eltern, die gekommen waren.
Den Müttern schenkten wir jeweils eine Dose Kondensmilch und ein Pfund
Zucker, auf gleiche Weise wurden die Frauen bedacht, die bei uns arbeiten.
Die Kinder waren entzückt und die Freude war allgemein groß!!!
10 - FAHRT NACH MOLLENDO
In der Woche vom 4.2.02 bis zum 10.2.02 waren die Kinder
am Strand. Dieses Mal ging es nicht nach Camaná, denn das Haus,
in dem wir immer wohnten, ist durch das Erdbeben vom Juni zerstört.
Ich sprach deshalb mit den Leuten vom Rotary-Club, die ein Haus in Mollendo
haben, und nachdem wir den entsprechenden Antrag gestellt hatten (schon
im Monat August), wurde er genehmigt, wir mußten jedoch einen
Beitrag dazu leisten, der in s/. 3.00 pro Person bestand, insgesamt waren
wir mit dem Personal 43 Personen.
Wir bestellten einen Omnibus bei der Firma Flores, der
s/. 12.00 pro Person für Hin- und Rückfahrt kostete. Da der Omnibus
50 Sitze hatten, zahlten wir insgesamt s/. 600.00. Von Selja und Helene
erhielten wir s/. 505.00 (Geld, das noch von Weihnachten übrig war)
und von dem Geld, das die Familien bezahlten, konnten wir den Rest des
Fahrpreises und den Beitrag für den Rotary-Club bestreiten, der sich
auf s/. 129.00 belief. Die Eltern zahlten s/. 8.00 für jedes Kind.
Die Kinder fanden diese Tage phantastisch, sie badeten und spielten viel
am Strand. Das Gute an dem neuen Haus ist, daß die Sanitärausstattung
viel besser ist und es Trinkwasser in allen Bädern gibt, außerdem
sind Freizeitanlagen für Baketball, Fußball usw. vorhanden.
11. - HEIMKINDER
Zu diesem Punkt lege ich Ihnen eine Kopie der Berichte
an die Paten bei, die viel ausführlicher sind.
Luzmila:
Bis zum Schuljahresende im Januar blieb sie sich gleich,
sie machte ihre Aufgaben und lernte, solange sie dabei kontrolliert wurde;
war das nicht der Fall, blieb sie müßig, wie wenn sie das alles
nichts anginge. Glücklicherweise wurde sie ohne größere
Schwierigkeiten versetzt.
Ihren Geburtstag im September feierte sie mit ihren Klassenkameraden
in der Schule, wir hatten verschiedene belegte Brötchen, Süßigkeiten,
Limonade und ihren Geburtstagskuchen hingebracht und sie war sehr vergnügt,
tanzte mit ihren Mitschülern und freute sich über die jeweiligen
Geschenke.
Wie jedes Jahr Ende November oder Anfang Dezember organisierte
Luzmilas Schule wieder eine Aufführung (dieses Mal gab es zwei Vorstellungen),
bei der Luzmila in drei verschiedenen Nummern mitwirkte. Es war sehr lustig,
sie als Celia Cruz verkleidet (mit Perücke und allem) tanzen zu sehen,
danach war sie eine Palastwache in 'Aladin und die Wunderlampe', wobei
der Armen die Perücke ständig herunterfiel, es war wirklich zum
Lachen und Luzmila war äußerst zufrieden, daß sie mitmachen
durfte.
Was die Hygiene betrifft, hat sie Fortschritte gemacht,
sie näßt nachts nicht mehr ein. Bevor die Schularbeiten von
neuem begannen, passierte es wieder sehr oft, doch ich sprach sehr streng
mit ihr (anders als streng geht es nicht, sonst nimmt sie mich nicht ernst)
und sagte ihr, wenn sie auf das Gymnasium (colegio) gehen, d.h. weiter
an dieser privaten Schule bleiben wolle, müßte sie auch etwas
dafür tun und nicht mehr ins Bett machen, und das wirkte!!! Sie hörte
mit dem Einnässen auf, einfach weil sie jetzt nachts allein aufsteht
und auf die Toilette geht. Oft ist sie so schlapp, daß sie sich vor
jeder Bewegung scheut, doch wenn ihr etwas paßt oder gefällt,
gleicht sie plötzlich einer Gazelle.
In punkto Menstruation kontrolliert sie sich besser und
versteht sich mehr zu organisieren.
Die Physiotherapie macht sie weiter, sie ist ein bißchen
gewachsen und wird mehr zur Frau (die Ärmste wird, um es mal so auszudrücken,
einen ansehnlichen Busen haben). Wir nutzten die Gelegenheit ihrer über
einen Monat langen Ferien, um eine Reihe ärztlicher Untersuchungen
vornehmen zu lassen, z.B. Röntgenaufnahmen des Thorax und der Wirbelsäule,
Urinuntersuchungen, Antibiogramme usw., dabei zeigte sich, daß die
Wirbelsäule in Ordnung ist, die Skoliose besteht zwar noch, verschlimmerte
sich aber nicht. Sie hat keine Blaseninfektionen und den Bronchien wurde
eine Schleimprobe entnommen, deren Resultat noch nicht vorliegt. Wir ließen
das alles aufgrund einer Gesamtversicherung machen, die vom Staat ausgeht
und für die ich s/.1.00 im Jahr bezahle (sie hat zwar einige Einschränkungen,
ist aber besser als nichts). Natürlich dauert die Bearbeitung wie
alles, was mit dem Staat zu tun hat, in allen Instanzen sehr lange, wir
kommen nur langsam voran, wie es sich eben in einer guten Bürokratie
gehört!
Ihr Verhalten ist nicht schlecht, sie ist nur sehr faul
geworden und möchte niemals bei den Hausarbeiten helfen, man muß
sie stets antreiben, damit sie etwas tut. Ihr Umgang mit dem Personal ist
unterschiedlich, neuerdings hört sie nicht mehr auf mit Diskutieren
und argumentiert bis zum Umfallen. Was immer man ihr sagt, sie findet ein
Wenn und Aber und muß das auch ausdrücken, im übrigen ist
sie jedoch o.k.
Seit dem letzten Jahr habe ich damit angefangen, den
vier Kindern monatlich s/.10.00 als Taschengeld zu geben und sie sind froh
darüber. Es ist gut für sie, wenn sie sich an den Umgang mit
Geld gewöhnen, Luzmila gebe ich jedoch den Betrag nicht auf einmal,
sondern nach und nach und das Dickerchen ist glücklich darüber.
Im Monat Februar war sie mit den übrigen Kindern am Strand und kam
sonnenverbrannt und sehr zufrieden zurück, zu ihrem Glück fand
die Reise dieses Jahr im Februar statt, als sie Ferien hatte. Im Januar
kaufte ich ihr ein paar Kleidungsstücke und Schuhe für die Saison,
die sie mit Stolz trägt.
Den Heiligen Abend verbrachte sie bei Giovanna Alvarez,
die mir gesagt hatte, daß sie sie einladen möchte, weil ihr
Bruder der Pate von Luzmila ist. Es schien mir sehr gut, vor allem weil
Giovanna eine große Familie hat und mehrere Kinder da sind, mit denen
Luzmila sich austauschen kann.
Vom Jahr 2002 an bezahle ich die Kosten für die
Schule (außer Pensions- und Fahrtkosten) mit dem Geld von den Paten,
da sich die Schule im Augenblick in einer prekären finanziellen Situation
befindet.
Rosel:
Er beendete das Jahr zwar nicht mit vorzüglichen,
doch mit guten Noten und darüber war ich sehr zufrieden.
Während des Sommers half er mir, ging mit auf den
Markt und arbeitete bei der Unterhaltung des Hauses mit, beim Kehren, in
der Küche, beim Beregnen der Gärten usw. Er geht weiterhin sehr
sorgfältig mit seinen Sachen und seiner Person um und ist niemals
nachlässig in seiner Kleidung oder seiner persönlichen Sauberkeit,
allerdings kommt das auch daher, daß er außerordentlich eitel
ist!
Weihnachten verbrachte er wie jedes Jahr bei seinen zahlreichen
Geschwistern, doch kaum ist das Fest vorbei, kommt er ins Heim zurück.
Im Februar fuhr er mit den übrigen Kindern an den
Strand, aber als Helfer, das heißt, außer daß er sich
vergnügte sollte er auch den Frauen vom Personal helfen, wo es nötig
war, und das tat er sehr gutwillig.
Auch für Rosel habe ich diese staatliche Gesamtversicherung
abgeschlossen, für die ich s/.1.00 im Jahr zahle, denn die Schulversicherung
greift nicht mehr. Wir versuchten, davon zu profitieren, indem wir verschiedene
ärztliche Untersuchungen durchführen ließen. Es geht ihm
gesundheitlich gut, im Gesicht hatte er ein Muttermal, an dem er herumspielte
und das sich entzündet hatte, der Arzt verätzte es ihm.
An seinem Geburtstag im Februar gingen wir in ein chinesisches
Restaurant zum Mittagessen, wo es uns wirklich gut gefiel; wir aßen
viel, unterhielten uns und er war ganz begeistert; es macht Spaß,
das glückliche Gesicht der Kinder zu sehen!
Vom Jahr 2002 an bestreite ich alle Kosten der Schule
(Uniform, Fahrt, Beitrag, Lernmittel) mit dem Geld der Paten. Der Betrag
ist nicht sehr hoch und da die Situation der Institution nicht günstig
ist, ist es besser, daß wir diese relativ kleine Belastung auf uns
nehmen.
Im Januar kauften wir ihm Sommerkleidung und etwas zum
Anziehen für den Strand.
Sein Verhalten ist wie immer gut, er hat einen fügsamen
Charakter und gehorcht immer, allerdings ist er etwas träge, man muß
ihn antreiben wie Luzmila; ich will nicht übertreiben, aber wenn er
sich von einer Arbeit drücken kann, sieht er das als Erfolg.
Seit dem vergangenen Jahr gebe ich ihm s/.10,00 Taschengeld
im Monat, er ist sehr zufrieden, sein eigenes Geld zu haben und weiß
es einzuteilen.
Felix
Er hat das Schuljahr mit guten, wenn auch nicht ausgezeichneten
Noten beendet, doch es ist grandios, wenn man mit dem letzten Jahr vergleicht,
wo er in Monat Januar den Wiederholungskurs machen mußte.
Weihnachten verbrachte er mit seinen Geschwistern, er
blieb eine Woche bei ihnen, ihm macht es mehr Spaß als Rosel, seine
Familie zu besuchen.
In den Ferien half er im Heim in verschiedenen Bereichen,
da aufgrund des Erdbebens viel herzurichten war, er machte bei einigen
Arbeiten mit, ebenso wie Juan Pablo und Rosel. An einigen Wochenenden war
er bei seiner Familie zu Besuch, sonst blieb er im Heim. In diesen Ferien
hat er nicht Fußball gespielt, ich weiß nicht, ob es war, weil
die Schule geschlossen war oder ob er keine Lust mehr hatte, auf jeden
Fall ging er nicht mehr zum Spielen.
Im Februar war er mit den übrigen Kindern am Strand,
natürlich war er als Hilfspersonal eingeteilt, um bei den Kleinsten
zu helfen und das machte er auch sehr gut, natürlich hatte er auch
Zeit, um sich zu vergnügen, doch die Verpflichtungen standen im Vordergrund.
Ich kaufte ihm deshalb, wie auch den drei anderen, Kleidung und einige
weitere Sachen.
Sein Verhalten hat sich gebessert, er reißt nicht
mehr aus und wenn er während der Woche weggehen will, bin ich damit
einverstanden, solange er mir Bescheid sagt und natürlich wenn er
nichts in der Schule versäumt. Er scheint das gut begriffen zu haben
und bis jetzt habe ich damit kein Problem mehr mit ihm gehabt. Seine Beziehung
zum Personal ist mittelmäßig, denn da er "schon ein Mann ist",
läßt er sich nicht mehr viel sagen, zum Glück hat man sich
noch nicht beklagt, daß er ungezogen sei oder sich von den Arbeiten
im Haus drückt. Seit letztem Jahr, seit August, wenn ich mich nicht
täusche, gebe ich ihm auch s/. 10.00 Taschengeld im Monat und es gefällt
ihm, mit eigenem Geld umgehen zu können, wem würde es nicht gefallen?
Seit diesem Jahr zahle ich seine Krankenversicherung
und die Kosten für die Schule mit dem Geld der Paten, ebenso wie bei
den anderen Kindern.
Zu seinem Geburtstag im Februar waren wir ebenfalls im
chinesischen Restaurant, da es ihm so gut gefallen hatte, als wir mit Rosel
waren, und es war wieder sehr angenehm, vor allem für die Kinder,
die daran nicht gewöhnt sind.
Gesundheitlich geht es ihm gut.
Juan Pablo
Manche Tage geht er auf Arbeitssuche, um etwas zu verdienen,
es sind Gelegenheitsarbeiten, stundenweise, manchmal beim Putzen, manchmal
bei Bauern usw. An den Tagen, an denen er nichts findet, bleibt er im Heim
und hilft bei der vorgesehenen Arbeit (Miriam und ich stellten eine Liste
darüber auf, was Juan Pablo an diesen Tagen zu tun hat, auf diese
Art kann man ihn besser überwachen). Wir sind aber immer dafür,
daß er auf Suche geht, damit er sein eigenes Geld verdient, leider
ist das manchmal nicht möglich.
Sein Verhalten hat sich gebessert, vor allem dem
Personal gegenüber, ich höre keine diesbezüglichen Klagen
und über das Essen beschwert er sich auch nicht mehr. Ich hoffe aufrichtig,
daß es den Damen vom Personal nicht einfällt, mir ihre Klagen
eines Tages mit monatelanger Verspätung vorzutragen!
Wegen des Vorfalls mit Luzmila kann Juan Pablo an den
Wochenenden nicht hier bleiben, denn dies sind die riskantesten Tage; es
funktioniert und natürlich bin ich immer wachsam und spreche ständig
mit Luzmila, damit nichts mehr vorkommt. Er ist sich bewußt, daß
wegen dieses Problems sein Verbleiben im Heim von seinem Verhalten abhängt,
ich glaube, daß ihn das zurückhält und hoffe, daß
es lange so bleibt.
Zu seinem Geburtstag im Oktober wünschte er sich
gegrilltes Hühnchen, ich kaufte ein und wir aßen im Heim, es
war sehr ruhig und entspannt, aber es gefiel ihm gut. Wir hatten noch nicht
so viel Abstand von dem Problem und waren ziemlich befangen, aber das wird
besser, je mehr die Zeit vergeht.
Im Februar reiste er mit den Kindern an den Strand, als
Helfer, das Personal hatte ständig ein Auge auf ihm, denn es waren
ja außer Luzmila noch andere Mädchen dabei, doch er arbeitete
gut und tat alles, was man ihm sagte, natürlich hatte er auch Zeit
für das Vergnügen, denn der Strand fasziniert ihn.
Seit dem letzten Jahr erhält auch er s/. 10.00
Taschengeld, damit ist er sehr zufrieden, denn wenn er keine Arbeit und
kein Geld für seine Bedürfnisse hat, frustriert ihn das sehr.
Dieses Jahr wird auch seine Krankenversicherung von dem Geld der Paten
bezahlt.
Im Januar kaufte ich ihm Sommerkleidung und andere Sachen
für den Strand und die Saison, allerdings halten die Kleider und die
Schuhe bei ihm nicht lange, denn er pflegt nichts und zerreißt alles.
Ich sagte ihm, daß ich ihm nicht alle Augenblicke etwas kaufe, wenn
er sich nicht darum kümmert, ist das sein eigenes Problem. Im Gegensatz
dazu halten Rosel und Felix ihre Kleidung gut in Ordnung.
Gesundheitlich geht es ihm gut, aber er klagt oft über
alles mögliche und geht dann zur Krankenversicherung zur Untersuchung.
Dort sagen sie ihm, daß ihm nichts fehlt und daß es keinen
Grund gibt, nicht zu arbeiten. (Wenn er sagt, daß es ihm nicht gut
geht, setzt er ein ganz verhärmtes Gesicht auf und kann angeblich
überhaupt nichts tun, dann bleibt nur noch, ihn mit Strenge an die
Arbeit zu schicken!). Das einzige, was er hatte, war ein Pilz an den Zehen
des rechten Fußes, das kommt sicher daher, daß er nicht sehr
reinlich ist, er badet nicht gründlich, ist in einem Nu drin und draußen
aus der Dusche und kommt natürlich so schmutzig heraus, wie er hineingegangen
ist. Der Arzt sagte ihm, daß er seine persönliche Hygiene ernster
nehmen müsse und gab ihm einige Tabletten und eine Lotion, woraufhin
es besser wurde. Eines Tages kam er mit der Nachricht an, daß er
Schmerzen an der Seite seines Nabels habe, die Stelle sei hart wie ein
Stein. Wir dachten sofort an einen Nabelbruch, doch nein, es war falscher
Alarm. Er wurde untersucht und es ergab sich nichts, er ist ein Hypochonder
erster Klasse. Alles aus einer Abneigung gegen die Arbeit, aber der Trick
gelingt ihm nicht mehr, immer, wenn er wieder mit seinen Klagen anfängt,
schicke ich ihn zu der Versicherung, wo ihm bestätigt wird, daß
ihm nichts fehlt - sodaß der Schuß nach hinten losgeht!
Nun, das ist alles für dieses Mal, ich hoffe, daß Sie mit all den Informationen wieder auf dem laufenden sind und grüße ganz herzlich,
María Elena.
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