Bericht vom 1.Mai 2001
BERICHT (Nuestro Hogar, Arequipa)
1. SCHÜLER I, II, III
Schüler I:
In den Monaten von Januar bis März ging es ruhiger
zu, da die Kinder Ferien hatten und nicht viel von ihnen verlangt wurde.
Sie beschäftigten sich gut in der Freizeit, zum Beispiel mit Puzzles,
Lego, Zeichnen, Malen, und natürlich begannen sie Anfang März
damit, zur Auffrischung ihrer Kenntnisse den in der Schule durchgenommenen
Stoff zu wiederholen.
Sehr ermutigend war, daß die beiden Mädchen
Ana María und Jhoyci, die im März zum Nachholkurs in die Schule
gehen mußten, sich sehr anstrengten und beide versetzt wurden.
Während der Ferien sind weniger Kinder da, da viele
von ihren Eltern in ihre Heimatdörfer geschickt werden. Wir finden
das sehr gut, weil die Kinder dadurch ihrer Familie und ihrer Herkunft
verbunden bleiben.
Das Verhalten der Kinder war mäßig, die Zwillinge
Christian und Anthony waren wie immer am ungezogensten, dicht gefolgt von
Julio und schließlich José Luis, der eines Tages in einem
Anfall schlechter Laune ein kleines und zartes Mädchen so sehr schlug,
daß es ohnmächtig wurde. Es war ein großer Schreck, doch
wir sprachen mit ihm und seiner Mutter und erklärten ihm, wie gefährlich
sein Verhalten war. Er versprach, daß ein solcher Vorfall nicht mehr
vorkommen würde und hat sein Versprechen gehalten.
Schüler II:
Wie bei den Schülern der Abteilung I ist auch ihre
Zahl in diesen Monaten geringer, doch den Anwesenden boten wir viele Freizeitbeschäftigungen
und nahmen auch den Lernstoff aus der Schule nochmals mit ihnen durch,
denn wenn wir das nicht machen, kann man sicher sein, daß sie alles
vergessen. Ebenso wurden sie zum Schwimmkurs in das Schwimmbad von Cayma
geschickt, der jedoch nicht lange dauerte, da das Bad wegen einer Verunreinigung
mit Chlor geschlossen wurde und sie nicht weitermachen konnten.
Von diesen Kindern mußten zum Wiederholungskurs
in die Schule: Patricia, Antonia und Joseph, sie waren fleißig
und wurden versetzt.
Das Benehmen war mittelmäßig, die Kinder sind
nicht übermäßig unruhig, sie verhalten sich, wie es Kindern
ihres Alters entspricht.
Schüler III:
Wie bei den beiden anderen Gruppen waren ebenfalls weniger
Kinder da, wir beschäftigten uns auch mit ihnen in ihrer Freizeit
und beim Wiederholen des Lernstoffs. Auch sie nahmen den Schwimmkurs auf
und konnten wegen des Problems im Schwimmbad nicht weitermachen, was eine
große Enttäuschung für sie war. Die drei Kinder, die schlechte
Noten hatten und den Wiederholungskurs an ihrer jeweiligen Schule machen
mußten, Maríe Elena, Alexandra und Juan Augusto, bestanden
ihre Prüfungen gut und können problemlos in die nächste
Klasse wechseln.
Hinsichtlich ihres Verhaltens war alles ruhig, vor allem
auch, weil nur wenige Kinder da waren.
2. VORSCHULKINDER
Auch hier ist die Zahl der Kinder während der Ferien
niedriger, sie konnten sich mehr frei beschäftigen und nur mit denen,
die zum ersten Mal in die Schule kommen, wiederholten wir ein wenig das,
was sie im Lauf des Jahres gelernt hatten. Das Ergebnis war sehr gut, außer
bei Yenni, die zwar noch nicht das vorgeschriebene Alter für die Schule
hat, deren Mutter sie jedoch unbedingt anzumelden wünschte. Sie machte
die Aufnahmeprüfung, war jedoch nicht gut genug und außerdem
wurde sie von der Schule wegen ihres Alters abgelehnt. Nun will sie sich
gut vorbereiten, um im nächsten Jahr angenommen zu werden. Verhaltensmäßig
waren die Kleinen einschließlich Rodrigo relativ ruhig, sie gerieten
nur selten in Streit und dann nur über Kinderkram.
3. DIE JÜNGSTEN (Das "Nest")
Auch hier waren es nur wenige Kinder, die mehr Gelegenheit
zur freien Beschäftigung als zum Lernen oder Wiederholen hatten. Anika,
die neue Praktikantin, arbeitete mit der Gruppe der Kleinsten, wobei sie
sich an die Empfehlungen von Claudia hielt, der Praktikantin, die jetzt
ihre Zeit beendet hat.
Was Martín betrifft, so besserte sich sein Sprechen
etwas, sein Benehmen war jedoch schrecklich!!! Er gehorcht niemals und
will sich nicht anstrengen, wenn man ihm etwas sagt, fängt er an zu
weinen!
Javier und Nicolas verhalten sich fast ebenso, jedoch
mit dem Unterschied, daß sie etwas besser gehorchen und gut lernen,
bei ihnen ist nur das Benehmen schlimm, allerdings sind sie ruhiger als
Martín. Mit dessen Mutter haben wir schon gesprochen und ihr gesagt,
daß er sich selbst schadet, wenn er in dieser Klasse bleibt, ohne
etwas zu lernen, und daß er sich vielleicht besser verhalten würde,
wenn er in ein anderes "Nest" käme. Die Mutter sprach mit ihrem Sohn
und angesichts der Aussicht, nicht mehr in das "Nest" kommen zu können,
besann er sich und änderte sein Verhalten ein wenig - keine große
Veränderung, doch irgendwo muß man anfangen!
Bei Natali und María de los Angeles gab es einige
Veränderung, keine großen, doch die Mädchen sprechen ein
wenig mehr und sind unbefangener. Mit dem Essen ist es noch dasselbe,
wir müssen immer hinter ihnen her sein, damit sie essen und manchmal
bleibt nichts anderes übrig, als es ihnen in den Mund zu stecken.
Ihr Gewicht ist gut, ihr Verhalten ordentlich, außer bei dem geschilderten
Problem. An manchen Tagen streiten sie sich oft, doch an anderen sind sie
ruhiger.
4. GESUNDHEIT
4.1. Die Kontrolle der gesunden Kinder wird fortgeführt
(Gewicht, Größe)
4.2. Der Papanicolaou-Test (Zytodiagnostik) bei den Müttern
wird weiterhin mit der Unterstützung des Gesundheitszentrums
Francisco Bolognesi durchgeführt.
4.3. Parasitologische Kontrolle ebenso mit Unterstützung
des vorgenannten Gesundheitszentrums.
4.4. Kontrolle der Zähne mit Unterstützung
des Gesundheitszentrums La Tomilla.
4.5. Kardiologische Kontrolle der Kinder, unterstützt
durch Frau Dr. Grace
Rojas.
5. SOZIALES
Die sozialen Besuche wurden weiterhin in den erforderlichen
Fällen durchgeführt. Kontrollthemen waren die monatliche Arbeit
der Familienväter, das Toilettenpapier und der Umgang mit den Eiern.
In diesem Bereich wird an einer sozio-ökonomischen Studie über
die Familien der "Nest"-Kinder gearbeitet.
6. PRAKTIKANTEN
Am 15.Januar kam Anika Gussmann bei uns an, die in der
Gruppe "Nest" mit den Kleinsten zu arbeiten begann. Wenn wir nur einen
einzigen Praktikanten haben, muß dieser immer im "Nest" mithelfen,
denn das ist die Klasse, die die meiste Unterstützung benötigt.
Claudia Salomo und Jan Erbsmehl arbeiteten bis Ende Januar bei uns. Anika
führt ihre Arbeit tatkräftig und korrekt aus.
7. WERKSTATT
Die Liste mit den Bestellungen aus Deutschland befindet
sich in Vorbereitung. Um mehr Einkünfte zu erzielen, beteiligen wir
uns an einem Stand mit einem anderen Handwerker bei einem Kunstgewerbemarkt
auf dem Platz "Plaza de Armas". Wir zahlen ungefähr s/. 35.00 (ungefähr
zehn amerikanische Dollar) pro Monat. Seit dem 5.Februar sind wir dort,
doch die Verkäufe sind sehr schwach; man sagte uns, daß sie
nach dem Sommer besser würden - das warten wir noch ab, andernfalls
können wir nicht mehr lange weiterzahlen.
8. PRONAA (Staatl.Organisation, die
uns mit Lebensmittelgaben unterstützt)
Im Sommer findet keine Lebensmittelverteilung statt.
9. SICHERHEIT
Die Zusammenarbeit mit der Polizeidienststelle wird fortgesetzt.
10. FAHRT NACH CAMANÀ
Vom 2. bis 6.Januar 2001 waren die Kinder am Strand,
dazu hatte uns der Missionsorden San Pablo sein Haus in La Punta zur Verfügung
gestellt. Zum Schluß geben wir ihnen immer s/. 70.00 Neue Soles für
den Verbrauch von Wasser und Elektrizität, was angesichts der Teilnehmerzahl
nur ein geringer Betrag ist. Dieses Jahr waren wir 43 Kinder und 10 Erwachsene,
die Gesamtkosten für den Omnibus waren s/. 848.00 Neue Soles, zu denen
die Mütter s/. 274.00 beitrugen. Die Kinder verlebten einige schöne
Tage und kehrten glücklich und zufrieden zurück.
11. HEIMKINDER
Juan Pablo:
Den Rest des Sommers war er abwechselnd im Heim oder
auf Wochenendbesuchen bei seiner Familie. Wenn er im Heim war, half er
bei allem, was man ihm auftrug, in der Küche, den Gärten usw.;
am meisten begeisterte es ihn allerdings, auf den Markt zu gehen und verschiedene
Einkäufe und Erledigungen mit mir zu machen. Er benimmt sich gut,
außer bei einigen Gelegenheiten, doch dann gibt er es zu und entschuldigt
sich. Gesundheitlich geht es ihm gut.
Félix:
Er bestand die zwei Prüfungen, die er nachmachen
mußte, weil er durchgefallen war, und wurde schließlich versetzt.
Nachdem er diese Strafe hinter sich hatte, konnte er ausgehen und seine
Familie besuchen. Wenn er nicht gerade lernte, half er bei verschiedenen
Arbeiten im Heim und machte das sehr gut. Sein Verhalten war in Ordnung,
außer bei den Gelegenheiten, bei denen ihm die Pubertät in die
Quere kam, er den Frauen im Heim nicht gehorchte und tat, was er wollte.
Doch das kam selten vor, sonst verhielt er sich gut. Gesundheitlich ist
alles in Ordnung.
Rosel:
Während des Sommers half er mir auf dem Markt oder
räumte mein Büro auf, die meiste Zeit jedoch lief er vor der
Arbeit davon. Rosels größtes Problem ist die Trägheit,
man muß immer hinter ihm her sein, damit er etwas tut. Nur wenn ich
ihm etwas direkt auftrage, macht er es schnell und ohne Probleme, doch
nichts aus eigener Initiative, das Nichtstun fasziniert ihn geradezu. In
seinem Verhalten ist er angenehm, er ist der ruhigste und hat keine starken
Stimmungsschwankungen. Gesundheitlich geht es ihm gut.
Luzmila:
Sie brachte das Schuljahr einigermaßen ordentlich
zu Ende und hatte nur 40 Tage zum Ausruhen, denn seit dem 15.März
geht sie wieder zur Schule. Bis jetzt sind ihre Leistungen mäßig,
denn wenn man nicht hinter ihr her ist, macht sie keine Aufgaben und lernt
auch nicht. Bis jetzt brachte ich sie noch nicht dazu, Verantwortung für
sich selbst zu übernehmen, ich spreche tausendmal mit ihr und erkläre
ihr die Lage, daß sie schon groß ist und vernünftig werden
muß usw. usw., doch kaum drehe ich ihr den Rücken zu oder
verlasse den Raum, verschwindet sie zum Spielen oder zu anderem Zeitvertreib,
ich weiß nicht, wann das anders werden soll. Mit der Sauberkeit ist
es ähnlich, zwar hat sie sich ziemlich gebessert, aber von Zeit zu
Zeit vergißt sie wieder alles und man muß sie ständig
daran erinnern. Mit ihren Sachen ist sie ebenso unordentlich, sie weiß
niemals, wo sie sind und die Bleistifte halten bei ihr höchstens einige
Tage, danach verschwinden sie und sie weiß nicht, wo sie sie gelassen
hat. Eines Tages war ihre Federmappe verschwunden, sie sagte, daß
sie sie ins Heim mitgebracht hatte, doch hier war sie nirgends zu finden.
Schließlich rief ich in der Schule an und dort fand sie sich!
Mit dem Bettnässen ist es noch wie vorher: viele
Tage passiert nichts, danach macht sie drei Tage hintereinander ins Bett,
ich weiß nicht, was ich mit ihr machen soll, meine einzige Hoffnung
ist, daß sie beim Heranwachsen reinlicher und verantwortungsvoller
wird - ist das möglich oder ist es eine Utopie? In ihrem Verhalten
ändert sie sich oft, manchmal beträgt sie sich sehr gut, doch
plötzlich hört sie auf keinen Menschen und tut, was sie will
(ich bin die Ausnahme, aber dazu muß ich immer an ihrer Seite sein).
Ich ermahne sie oft und dann ändert sie sich, aber nur bis zur nächsten
Gelegenheit. Es ist sehr anstrengend, mit ihr zu arbeiten, doch es gibt
keinen Ausweg, denn nur in meiner Gegenwart versucht sie, ihre Aufgaben
zu machen und zu lernen. Wenn ich eine andere Person mit der Aufsicht beauftrage,
gelingt es ihr, diese zu täuschen und schließlich nichts zu
machen, und da die andere Person auch noch anderes zu arbeiten hat, merkt
sie das nicht immer und unsere Luzmila schafft es, weder zu lernen noch
ihre Aufgaben zu erledigen.
Hinsichtlich der Gesundheit macht sie täglich die
physiotherapeutischen Übungen und ist immer noch oft erkältet,
vor allem, weil sie sich niemals warm anzieht und begeistert mit Wasser
spielt und sich naß macht.
Nun, dies sind die Neuigkeiten der ersten drei Monate dieses neuen Jahres, ich hoffe, daß Sie damit zufrieden sind und grüße herzlich bis zum nächsten Mal.
María Elena.
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