Berichte aus Arequipa
 

1.Juli 2005

 

1. Schüler I, II und III

Schüler I:         Zur Zeit sind es 23 Kinder und in diesem ersten Semester waren ihre schulischen Bemühungen sehr zufrieden stellend, denn 65 % schnitten mit "gut" ab, 30 % mit "mittelmäßig" und 5 % hatten ein schlechtes Ergebnis. Das besagt, dass die Kinder, von denen viele zum ersten Mal zur  Schule gingen, sich ziemlich gut eingewöhnten und das ist sehr gut für ihre Gesamtentwicklung. Jetzt hoffen wir, dass sie im Laufe des Schuljahrs so weitermachen und nicht zurückfallen! Auch das Verhalten ist bei den meisten gut, die Ausnahme von der Regel sind natürlich Diego und Martín, die den Schrecken der Klasse bilden, stets fällt ihnen etwas ein und niemand übertrifft sie, wenn es darum geht, ihre Klassenkameraden zu belästigen. Auch wenn sie tausendmal ermahnt werden, fangen sie gleich darauf wieder an; das einzige, was wir noch tun können, ist zu versuchen, sie zur Vernunft zu bringen und darauf zu warten, dass sie sich bessern, hoffentlich funktioniert dieses System.

Schüler II:        In der Klasse haben wir zurzeit 24 Kinder und in diesen ersten Monaten des neuen Schuljahrs können wir sagen, dass ihre Leistungen nicht sehr unterschiedlich sind, denn 50 % von ihnen haben gute Noten, 38 % mittelmäßige und 12 % schlechte. Normalerweise ist der pädagogische Fortschritt in diesem ersten Trimester nicht allzu groß, denn der Übergang in eine neue Klasse und die neuen Lehrer wirken sich auf die Kinder aus und haben einen direkten Einfluss auf ihre intellektuelle Entwicklung. Doch da das Jahr erst am Anfang ist, ist dies nicht so wichtig, erst in den nächsten Trimestern muss ein bisschen mehr Druck auf sie ausgeübt werden, damit sie am Schuljahresende keine Probleme mit ihren Noten haben. Hinsichtlich des Verhaltens ist Camila die komplizierteste Schülerin, die rebellischste und die, die am meisten lügt. Man muss in steter Verbindung mit ihren Eltern stehen, um festzustellen, ob sie uns die Wahrheit sagt. Oft kommt sie zu spät ins Heim und gibt an, dass sie erst spät aus der Schule kam, jedoch Miriam war bei ihrer Lehrerin und erfuhr von ihr, dass sie sehr viel früher wegging - tatsächlich vergnügt sich das Mädchen im Stadtzentrum und kommt ganz spät an, damit sie nicht gezwungen werden kann, ihre Aufgaben zu machen. Inzwischen ist sie sich jedoch im Klaren darüber, dass wir Bescheid wissen und dass diese Märchen nichts mehr nützen, seitdem kommt sie bis zum heutigen Tag pünktlich an, wir werden sehen, wie lange das gut geht!

Schüler III:       Die Klasse besteht zurzeit aus 24 Kindern, da sich eines für einige Monate beurlauben ließ. Erstaunlicherweise sind die meisten erfolgreich in der Schule, denn 67 % haben gute Noten, 33 % mittelmäßige, das sind sehr gute Resultate und wir können wir hoffen, dass es im Laufe des Jahres so bleibt oder noch besser wird; was Kinder betrifft, ist jedoch das letzte Wort niemals gesprochen, sie sind unvorhersehbar und ganz besonders in dieser Altersstufe.

Und was kann ich Euch hinsichtlich des Verhaltens sagen? Um nicht mit der Tradition zu brechen, sind die Zwillinge immer noch ganz schrecklich!!! Es ist unglaublich, dass sie sich im Laufe der Zeit nicht besser benehmen, sie sind stets die Störenfriede und sehr faul dazu. Es ging so weit, dass Miriam mit ihren Lehrern und Tutoren sprechen musste, da sie Anfang des Jahres wegen des Übergangs in die Sekundarstufe die Schule gewechselt hatten. Sie brachten niemals Hausaufgaben mit und dieser Besuch brachte eine Revolution ins Rollen, sogar der Direktor der Schule griff ein und sprach darüber mit ihrem Tutor, auch die Zwillinge waren bei der Zusammenkunft dabei und es wurde ihnen klargemacht, dass ihre Tricks nicht weiter funktionieren würden und dass man sie im Auge behalten würde, ob sie ihre Pflichten erfüllten oder nicht. Daraufhin beruhigten sie sich ein bisschen, doch sie geben sich keine Blöße: dauernd versuchen sie, Ana María zu überraschen, die ihre Lehrerin ist.

Die Ärmste wird noch verrückt darüber, doch wie immer sagen wir uns, dass sie nicht schlecht sind, nur unerträglich! Wir werden sehen, wie sie sich im Verlauf des Jahres entwickeln und ob der Veränderung von Dauer ist. Die übrigen Kinder sind lebhaft, aber nicht aus dem Rahmen fallend.

 

2. Vorschulkinder

Zurzeit haben wir 17 Kinder, von denen eines neu hinzugekommen ist, deshalb wird es in dem vierteljährlichen pädagogischen Fortschrittsbericht nicht berücksichtigt. In Bezug auf die für dieses erste Trimester festgelegten Ziele zeigten 4 % eine gute Leistung, 12 % eine mittelmäßige; nach Ansicht der Lehrerinnen kommt das hauptsächlich daher, dass sich die Kinder in diesen ersten Monaten an den neuen Lernstoff gewöhnen müssen, besser gesagt, sie müssen sich erst akklimatisieren und daher ist es normal, dass ihre Noten nicht wie gewünscht ausfallen. Was jedoch günstig ist: sie sind alle ganz neugierig auf das, was sie lernen sollen und das ist ein sehr gutes Zeichen.

Was das Verhalten von Luis betrifft, so ist er ein sehr verwöhntes und ungezogenes Kind, er weint wegen allem und wirft sich zu Boden und strampelt, meistens lassen ihn die Lehrerinnen gewähren, weil man ihn nicht zur Vernunft bringen kann, allerdings muss ich sagen, dass sein Benehmen, seit er bei uns ist, ein bisschen besser geworden ist - hoffentlich geht die Besserung weiter! Ein anderes schlimmes Kind ist Karina, die stets tun will, was ihr in den Sinn kommt, man muss dauernd auf sie aufpassen, irgendwann läuft sie aus ihrem Klassenzimmer und geht zu den Müttern, die hier arbeiten und plaudert mit ihnen oder mit jeder anderen Person, die ihr in den Weg läuft. Wenn man mit ihr schimpft, macht sie eine Miene, als ob sie unsere Sprache nicht verstünde - es ist ganz schön frustrierend. Die übrigen Kinder sind so, wie Kinder eben sind, sie haben ihre guten und ihre schlechten Tage und brauchen viel Geduld.

 

3. Das Nest

Gegenwärtig haben wir 16 Kinder, eines davon ist neu dazugekommen und wurde deshalb im pädagogischen Vierteljahresbericht nicht berücksichtigt. Aus dem Bericht geht hervor, dass 67 % gute Fortschritte erzielt haben und 33% eher mäßig abschnitten, das ist keineswegs schlecht, denn es ist die Klasse der Kleinsten, denen die Anpassung an die neue Umgebung am schwersten fällt; doch wir können uns nicht beklagen, denn in den meisten Fällen gelang die Integration gut und die Kinder sind zufrieden, was für uns am wichtigsten ist.

Hinsichtlich ihres Verhaltens gibt es wie überall, wo kleine Kinder sind, meistens Streitereien um die Spielsachen oder um Nichtigkeiten, die sie bald wieder beilegen, doch im Moment, in dem diese stattfinden, gibt es stets einen gewaltigen Aufruhr. Viele der Kinder sind sehr aggressiv und das ist eine getreue Spiegelung der Zustände bei ihnen zuhause, sie wollen alles mit Schreien und Schlägen lösen und es ist nicht leicht, ihnen beizubringen, dass sie erst einmal darüber sprechen müssen, schlimm ist das jedoch nicht, wir werden sehen, wie es im Laufe der Zeit weitergeht.

 

4. Gesundheit

4.1.      Ärztliche Bewertung des Wachstums und der Gesamtentwicklung des Kindes in der Vorschulklasse und im Nest, durchgeführt durch das Gesundheitszentrum Francisco Bolognesi.

4.2.      Vortrag für die Familienmütter über das Thema "Die Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen", gehalten von der Psychologin Shirley Olaguivel des C.S.F.B.

4.3.      Vortrag für die Kinder der drei Schulklassen über das Thema "Die Familie", ebenfalls von der vorgenannten Psychologin.

4.4.      Lehrvideo für die Kinder der drei Schulklassen mit dem Thema "Freizeit", gezeigt durch die obige Psychologin.

 

5. Soziales

Miriam ist mit ihren üblichen Arbeiten ausgefüllt, dazu gehören die Prüfung der neuen Aufnahmeanträge, von denen es zurzeit viele gibt, und die Organisation der Arbeit der Eltern sowie die Papier- und Eierkontrolle. In diesem Trimester musste sie einige Schulen der schwierigsten Kinder besuchen, um sich über deren Situation sicher zu sein, und auch einige Male Juan Pablo aufsuchen, um eine bessere Kontrolle zu haben. Sie organisierte auch eine Elternversammlung, auf der über verschiedene Angelegenheiten des Nests gesprochen wurde, ferner wurden einige Klagen der Eltern über das Verhalten mancher Lehrerinnen behandelt sowie

über verschiedene Regeln gesprochen, zum Schluss waren alle Punkte zufrieden stellend geklärt.

Diese Versammlung wurde genutzt für den Vortrag über "Die Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen".

Gemäß Eurem Vorschlag obliegt Miriam seit Anfang des Jahres nicht mehr die pädagogische Aufsicht über die Klassen, diese Arbeit fiel provisorisch mir zu, bis die neuen Anordnungen in Kraft treten.

 

6. Praktikanten

Seit dem 1. März werden wir unterstützt von Dagmar und Miriam, die ihre Arbeiten tatkräftig ausführen, wobei es ein kleiner Nachteil ist, dass ihr Spanisch nicht sehr flüssig ist, aber mit den Kindern ist das kein größeres Problem, sie machen sich verständlich und es funktioniert gut.

Ich habe jeden Monat eine Zusammenkunft mit ihnen, um zu hören, wie es mit ihrer Arbeit läuft und ob es Probleme gibt, bis jetzt kamen nur kleine Dinge zur Sprache, die wir zu ihrer Zufriedenheit regeln konnten.

 

7. Werkstatt

Rocío macht den Auftrag fertig, damit es im letzten Moment keine Rennerei gibt, sie bekam auch schon die Information von Doris, wo sie die nächste Lieferung hinschicken soll, es läuft alles gut. Die Frauen organisierten sich auch und um mehr Zeit füreinander zu haben, feiern sie gemeinsam ihre Geburtstage, sie suchen dafür die für alle passenden Tage aus, verbringen eine gute Zeit miteinander, unterhalten sich über vieles und mir scheint das eine gute Idee zu sein.

 

8. Sicherheit

Wir werden weiterhin von der Nationalen Polizei betreut.

 

9. Feste

Seit Beginn dieses Jahres sprachen sich die Lehrerinnen der fünf Klassen untereinander ab, um die Feste des Schuljahrs begehen zu können. Jede einzelne ist für die verschiedenen Ereignisse verantwortlich und führt auch alles durch, ich befasse mich nur mit der Logistik. Beispielsweise gab es kleine Feste zum Beginn des Schuljahrs, die in jeder Klasse mit Süßigkeiten und Musik begangen wurden, andere zum Muttertag, wozu alle Mütter eingeladen wurden und wobei die Kinder mit Hilfe ihrer Lehrerinnen verschiedene Vorführungen darboten, es waren sehr angenehme und vergnügliche Stunden (die Praktikanten haben Fotos davon). Eine andere Gelegenheit war der Jahrestag der Gründung unserer Institution, an dem die Kinder aller Klassen in verschiedenen Spielen wetteiferten und wobei es Preise und Süßigkeiten gab, es war sehr rührend und unterhaltsam und ein Gewinn für die Kinder.

Die Lehrerinnen des Nests und der Vorschulklasse organisierten verschiedene Dinge für den Tag der Gärten (Früherziehung), sie veranstalteten Wettbewerbe im Malen, Bildhauern, Lesen usw., zum Schluss wurde ein Gang zum Zoologischen Garten Jesús unternommen (wenn man ihn so nennen kann) und ein großes Fest gefeiert, die Kinder waren glücklich über soviel Zuwendung und hatten eine schöne Zeit.

 

Kinder des Heims

Jetzt schicke ich Euch den letzten Bericht, den ich an die Paten übermittelte. Für heute ist das nun alles, Grüße an alle und vielen Dank für Eure Unterstützung und Hilfe, bis bald, María Elena.

 

 

LUZMILA

Jetzt ist der Juni fast zu Ende und Luzmila kommt mit dieser Lernmethode ins dritte Jahr der Sekundarstufe, sodass ich glaube, dass sie Ende des nächsten Schuljahres oder spätestens Anfang 2006 die Sekundarstufe beenden kann.

Das sind gute Nachrichten und ich freue mich für sie, denn bis jetzt arbeitet sie gut in der Schule, ihre Stärke ist die Mathematik, auf den anderen Gebieten schwimmt sie ein bisschen, aber sie ist nicht schlecht. Natürlich braucht sie manchmal bei den Hausaufgaben meine Hilfe, zum Beispiel bei Mathematikrechnungen, die schon ziemlich kompliziert sein können, und da Mathematik nie meine starke Seite war, könnt Ihr Euch vorstellen, wie ich alles vorher studiere, um ihr richtig raten zu können. Ich muss sagen, dass alles sehr anders geworden ist, seit ich in der Schule war, und so muss ich mich auf den neuesten Stand bringen und das kostet viel Zeit, vor allem, wenn ich eine Menge anderes zu tun habe, doch ich kann das Dickerchen nicht hängen lassen, ich bin ihre einzige Zuflucht. Fast immer, wenn sie über das Wochenende Hausaufgaben bekommt, wartet das Fräuleinchen mit allem bis zum Montag, und wenn ich dann vorwurfsvoll frage, warum sie nichts getan hat, sagt sie mir jedes Mal, dass sie es nicht versteht und dass ich ihr die Aufgaben erklären solle, und dass die Lehrerinnen, die am Wochenende kommen, nichts wissen und ihr nicht helfen können - so könnt Ihr Euch vorstellen, wie ich mich als Spezialistin für mathematische Beweisführung fühle, es ist ein wahr gewordener Alptraum!

Letzten Endes ist es jedoch gut, dass sie in der Schule vorankommt, ich bin sehr zufrieden darüber, manchmal erstaunt sie mich sogar mit ihren Fähigkeiten, natürlich nur, wenn sie in der richtigen Stimmung dazu ist, andernfalls verschließt sie sich und vergisst sogar das Addieren!

 

Verhaltensmäßig hat sie sich beträchtlich gebessert seit der Zeit, als sie Sachen stibitzte, die ihr nicht gehörten, sowohl in der Schule als auch im Heim. Zumindest habe ich von der Schule keine Klagen mehr gehört und im Heim ist es wie immer: sie nimmt die Sachen von Félix und Rosel, doch das ist fast normal, es ist wie in einer Geschwisterbeziehung, wo auch genommen wird, ohne zu fragen, allerdings ist auch das seltener geworden und ich hoffe, dass es zu irgendeiner Zeit ganz aufhört!.

Im Monat Februar, ihrem einzigen Ferienmonat, war sie am Strand mit allen Kindern des Heims und wie immer genoss sie es in vollen Zügen, sie war sogar bei der Rückkehr etwas schlanker geworden, weil eine beträchtliche Strecke vom Haus zum Strand und umgekehrt zurückgelegt werden musste, doch das Entscheidende war, dass die Frauen aus der Werkstatt (Rocío, Lucila und Natalia) ihr Essen kontrollierten, damit sie nicht übermäßig viel zu sich nahm und das war sehr gut. Allerdings erzählt Félix, dass das Dickerchen sie beim Essen mit wahrem Hass anschaute, weil sie mehr aßen als sie selbst und das brachte sie beinahe um, doch das Ergebnis war gut. Natürlich hatte sie kurze Zeit nach ihrer Rückkehr die verlorenen Kilos wiedergewonnen, denn hier ist sie so untätig wie eine Pflanze und isst, wie wenn sie unterernährt wäre, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Seit der Ankunft der neuen Praktikantinnen Miriam und Dagmar ist sie sehr ärgerlich, denn diese machen sich die Mühe, sie jeden Vormittag ein bisschen zum Trainieren zu bringen und das bringt sie zur Verzweiflung, in der ersten Woche versuchte sie, sich überall im Heim zu verstecken, damit sie sie nicht fänden, und wenn es doch geschah, hatte sie Ausreden parat für die beiden wie auch für mich, zum Beispiel, dass sie "mit einem schrecklichen Rückenschmerz erwacht war". Oder dass sie viel Arbeit habe, ihre Sachen waschen müsste und, wenn alles nicht half, schaute sie uns so verzweifelt an wie ein abgestochenes Kalb, um unser Mitleid zu erregen. Am Schluss ließ sie das alles sein, weil es nichts half, und musste das traurige Schicksal akzeptieren, auf ihre Figur zu achten!!!

Sie hat auch nicht gerade viel abgenommen, ich befürchte, dass sie, damit wir sie in Ruhe lassen und glauben, dass noch so viel Training nur eine minimale Gewichtsabnahme bewirkt, heimlich mehr isst! Sie ist eine schreckliche Intrigantin, wir werden jedoch insistieren, bis es ihr zuviel wird und sie schließlich etwas besser auf sich acht gibt; ich möchte nichts Unmögliches erreichen und sie auch nicht in ein Model verwandeln, sie muss jedoch wegen ihrer Wirbelsäule einfach ein bisschen schlanker werden.

In punkto Gesundheit ist es bei ihr wie immer, bei Erkältung wird ihre chronische Bronchitis schlimmer, allerdings nichts Ernstes. Bei Luzmila funktionieren einige Dinge umgekehrt, während der Zeit zum Beispiel, in der es schon morgens unerträglich heiß war, hüllte sie sich warm ein, wie wenn es zum Südpol ginge, und als es wirklich kalt wurde, machte das Fräulein den Eindruck, sich in den Tropen zu befinden, man könnte sie umbringen! Wir müssen deshalb stets hinter ihr her sein und auch in Bezug auf persönliche Sauberkeit müssen wir wachsam bleiben, es fällt ihr sehr schwer, sauber und gepflegt zu sein, es ist einfach bequemer, ihre Sachen nicht zu waschen, vor lauter Trägheit. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als sie zu überwachen und von Zeit zu Zeit zu kontrollieren, auch wenn wir alles andere als die INTERPOL sind! Tatsache ist, dass man sie einfach nicht sich selbst überlassen kann, sonst würde sie herumlaufen wie eine Närrin, mit wirren Haaren und zerlumpten Kleidern.

Gut, das ist nun alles über das Dickerchen, ich hoffe, dass es noch lange so weitergeht, vor allem in Bezug auf die Schule. Bis bald, María Elena.

 

ROSEL

Nach dem Fiasko mit der letzten Aufnahmeprüfung für die Universität entschied er sich dafür, es nicht mehr zu versuchen, sondern eine Ausbildung in derselben Lehranstalt zu machen, in die auch sein Bruder Félix geht. Mit anderen Worten: er warf das Handtuch und entschied sich für den leichtesten Weg, denn an dieser Schule brauchte er keine Aufnahmeprüfung zu machen und die Studienzeit ist kürzer. Ich äußere dazu keine Meinung, das einzige, was ich ihm sagte, war, dass er sich alles gut überlegen solle, denn diese Entscheidung wäre dann endgültig. Das bedachte er wohl und entschied sich dann dafür.

Er schrieb sich in der Sparte 'Technisches Zeichnen' ein und diese Ausbildung ist kostenpflichtig, wir müssen deshalb monatlich S/. 50.00 zahlen, was ungefähr 13 Euros entspricht. Das ist nicht sehr viel, was mir gut erscheint, und so geht er also seit dem Monat April in diese Schule und ich denke, dass er gut zurechtkommt; ich weiß, dass er viele Aufgaben hat und, etwas ganz Neues, immer ziemlich müde ist, doch er ist zufrieden. Wir kauften alle Lernmittel, die verlangt wurden, und so war er im April gut darauf vorbereitet, die Studien aufzunehmen.

Im Februar war er mit den Kindern am Strand in der Funktion als Mithelfer, er machte seine Sache sehr gut, denn er versteht sich mit allen Kindern und sie waren zufrieden, dass er dabei war und ließen ihn kaum zu Atem kommen, doch er hatte auch eine gute Zeit, denn er ist gern am Strand.

            In diesen Monat fiel auch sein Geburtstag, er wollte ihn mit einem Essen zusammen mit dem ganzen Personal feiern und entschied sich für Pizza, das heißt wir bereiteten sie zu und machten für ihn eine sehr große mit besonderem Belag, die der Ärmste gar nicht ganz aufessen konnte. Es war für ihn und für uns alle sehr nett, wir plauderten und unterhielten uns und die Hauptsache ist, dass er glücklich und zufrieden war.

In der Zeit vor dem Beginn der Schule brachte er, zusammen mit seinem Bruder Félix, einen neuen Anstrich an in den Räumen des Nests, der Vorschulkinder und der Schüler I. Das machte er sehr gut, natürlich war Félix derjenige, der alles organisierte und entschied, was zu tun war, doch Rosel leistete sehr gute Arbeit.

Was sein Verhalten betrifft, ist er meist ruhig und schweigsam; zur Zeit sehen wir uns wenig, denn er kommt spät aus dem Institut und wir begegnen uns nicht oft, doch wenn wir uns treffen, sagt er mir, dass er zwar mit der Wahl seiner Ausbildung zufrieden ist, dass er jedoch soviel zu arbeiten und an Aufgaben zu machen hat, dass er ganz erschöpft ist. Ich sage ihm dann, dass man sich in diesem Leben für alles, was man gern erreichen will, anstrengen muss, denn in der Welt gibt es nichts umsonst, und dass es Mühe und Schweiß kostet, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Er weiß natürlich, dass das stimmt, doch hindert ihn nichts daran, sich selbst zu bemitleiden.

Seine Gesundheit ist sehr gut, er ist fast niemals krank, was eine große Erleichterung für mich ist, es kommt höchstens zu einer leichten Erkältung.

Nun, das ist nun alles über Rosel, bis zum nächsten Mal, María Elena.

 

FELIX

Am Ende des Schuljahrs waren seine Noten gut, nicht gerade hervorragend, aber auch nicht schlecht; wie ich ihm sagte, hängt das allein von ihm selbst und seinen Anstrengungen ab, er ist inzwischen alt genug, um für seine Leistungen selbst verantwortlich zu sein.

Er hatte wenig freie Zeit, denn er war mit dem neuen Anstrich für die Klassenzimmer des Nests, der Vorschulklasse und der Schulkinder I beschäftigt, wobei ihm Rosel half. Die beiden machten gute Arbeit, besonders, da es das erste Mal war, dass sie Klassenräume anstrichen. Wir sparten dadurch ein bisschen Geld, denn wir hätten andernfalls jemanden dafür bestellen müssen, und auf diese Weise hatte unsere Institution einen Vorteil und die beiden gaben dem Heim etwas von dem zurück, was es für sie getan hat.

Im Februar war er auch am Strand als Mithelfer bei der Betreuung und er machte das gut, das Lustige daran ist nur, dass er nach der Rückkehr von der Reise derjenige war, der sich am meisten über das Verhalten einiger Kinder beschwerte, er war überaus verärgert und ich musste lachen, als ich ihn so sah, weil er sich wie ein alter Mann beklagte!

Er hat auch im Februar Geburtstag und ebenso wie sein Bruder Rosel wollte er ihn gern zusammen mit dem ganzen Personal bei einem Mittagessen feiern. Auf seinen Wunsch hin bereiteten wir Lasagne zu und hatten eine vergnügte Zeit miteinander, bei gutem Essen und Unterhaltung über alles Mögliche. Es gefiel ihm, man sah, dass er zufrieden war und das freute mich sehr, denn schließlich ist es das, was wir wünschen: eine angenehme Zeit unter Freunden zu verbringen.

            Bei Beginn des neuen Studienjahrs musste eine Geldsumme bezahlt werden für die Praktikumsstunden, die ihm noch fehlten. Es war nicht so, dass er sie nicht gemacht hätte, sondern es standen einfach nicht genug Praxisstunden für die Schüler zur Verfügung. Trotzdem, also ohne dass es die Schuld von Félix gewesen wäre, sondern der Schule selbst, lässt der Direktor, ein Pfarrer, die Schüler für die fehlenden Stunden bezahlen, andernfalls dürfen sie sich nicht für das neue Schuljahr einschreiben. Zwar betrügerisch, doch nichts zu machen, dieses System wird schon lebenslang angewandt und niemand hat sich je beklagt, also muss es akzeptiert werden und Schluss!

            In seinem Verhalten hat er sich gebessert, aber er ist immer noch der komplizierteste von allen, denn wenn alles in Ordnung ist, bringt er es fertig, die ganze Sache durcheinander zu bringen. An einem Wochenende gab ich ihm zum Beispiel einen sehr klaren und genauen Auftrag und was tat der junge Herr: genau das Gegenteil von dem, was ich ihm aufgetragen hatte, wodurch ein Riesenproblem entstand. Als ich die Angelegenheit regeln wollte, sagten mir die betroffenen Personen, dass ihnen der "Junge" gerade das Gegenteil gesagt hätte. Ihr seht, das hat er so an sich, manchmal denke ich, dass er damit den Eindruck erwecken will, dass er es ist, der in den Angelegenheiten entscheidet, in denen ich das letzte Wort habe - er möchte männlich und bedeutend dastehen! Wie Ihr Euch vorstellen könnt, hatte ich dann, nachdem ich den Zorn hinuntergeschluckt hatte, ein gewaltiges Problem zu lösen, und als ich es ihm schließlich vorhielt, war er selbstverständlich und, ganz was Neues, beleidigt, statt dass er sich für seine Einmischung entschuldigt hätte, no Señor!!! Das zeigt, dass er noch sehr unreif ist, nach einigen Tagen kehrte er wieder zur Normalität zurück und ich hoffe aufrichtig, dass er aus dieser Erfahrung etwas gelernt hat.

Hinsichtlich des Essens gibt es kein Problem mehr, denn da er in der letzten Zeit für die Schule an verschiedene Plätze zum Arbeiten gehen musste, wurde er dort zum Essen eingeladen und aß auch ohne Einwände. Er ist verwöhnt, aber ich machte ihm alles klar und jetzt ist er es, der zu entscheiden hat. Seit die beiden Brüder in das Institut gehen, gibt es Tage, an denen sie sich in der Frühe etwas zum Mitnehmen vorbereiten und an anderen nicht, ich lasse ihnen alles Nötige da und der Rest hängt von ihnen ab, sie sind ja schon groß!

Was die Gesundheit betrifft, hat er die meisten Probleme, vor allem Grippe und Mandelentzündungen, er sieht sich einfach nicht genug vor und wenn ich ihn zum Arzt der  Versicherung schicke, denn für irgendetwas zahlen wir ja die monatlichen Prämien, möchte der junge Mann nicht gehen, weil er zu faul ist, früh aufzustehen und zu warten, bis er an der Reihe ist, wie es Millionen versicherte Peruaner tun - das ist jetzt seine Sache! Einmal hatte er Probleme mit den Augen, da er auch schweißen muss und eine Konjunktivitis bekam, er wollte nicht zur Versicherung gehen, sondern schlug vor, dass ich ihm einen privaten Arzt bezahle, da sagte ich ihm, dass das nicht in Frage käme und wenn er sich schlecht fühle, müsse er zur Versicherung gehen, ob es ihm gefalle oder nicht, und tatsächlich musste er früh aufstehen und hingehen, was ganz problemlos war, denn sie gaben ihm sogar den größten Teil der Medikamente, er brauchte nur die Tropfen zu kaufen, die die Versicherung nicht hatte. Mit ihm ist es ein stetiger Kampf, er hat die Ansprüche eines jungen Mannes der Mittelklasse und denkt, dass ihm alles zusteht, und wenn ich versuche, ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu stellen, findet er Leute, die ihm das Gegenteil einreden und ihn schlecht beraten und das sind dann die unseligen Folgen!

Nun gut, ich denke, das ist alles für heute, bis zur nächsten Gelegenheit viele Grüße, María Elena.

 

JUAN PABLO

Seit dem letzten Mal versuchte Juan Pablo, beim Militär angenommen zu werden, und da diese Leute benötigen, ermutigten sie ihn dazu. Die Tante kam mit den Nachrichten über diese Katastrophe zu uns und bat uns, etwas zu unternehmen, denn die Militärs hatten sie nicht beachtet, als sie ihnen erklärte, dass er ein besonderer Fall sei, sie prüften nicht einmal seine Dokumente. Schließlich sprach Miriam mit einem höheren Offizier, um die Angelegenheit zu klären, und als sie dann eine Unterredung mit dem zuständigen Kommandanten hatte, war Juan Pablo aufgrund der Sachlage schneller als sofort wieder draußen. Die Frage war jetzt, wie man es ihm sagen sollte, dass seine Laufbahn durch unsere Schuld verhindert worden war, doch es passierte nichts, glücklicherweise sah er es ein, weil die Militärs ihm gesagt hatten, dass ihnen ein Irrtum unterlaufen wäre. Der Arme tat mir so leid, sie hatten ihm schon die Uniform gegeben und er war überglücklich darüber, die Tante erzählte uns sogar, dass er im Haus ihren Söhnen Befehle erteilte, als sie seine Sachen abholte. Doch andererseits stellt Euch Juan Pablo mit einer Waffe in der Hand vor, da wäre die einzige Rettung, weit wegzulaufen!! Es ging eben nicht, doch so ist das Leben, wenn er normal wäre, hätte er eine vielversprechende Zukunft beim Militär gehabt und wir wären beruhigt gewesen.

Danach machte er seine kleinen Gelegenheitsarbeiten weiter, als jedoch Miriam ihn wieder besuchte, fand sie, und das nicht nur bei einer, sondern bei verschiedenen Gelegenheiten, dass sein Zimmer, in dem er schlief, eine Katastrophe an Schmutz und Unordnung war. Sie sprach mit der Tante, denn ihre Söhne schliefen ebenfalls dort, doch diese entgegnete, dass die Söhne saubermachten und dass Juan Pablo der einzige Schmutzfink sei. Aus diesem Grund musste ich sehr streng mit ihm sprechen, denn er warf sogar seine Kleider im Zimmer herum und auch außerhalb auf den Boden, woraufhin der Mann der Tante diese benutzte mit dem Argument, dass sie weggeworfen worden wären.

Ich sprach auch mit der Tante darüber und sie versprach, aufzupassen, doch müsse auch Juan Pablo besser auf seine Sachen achten. Ein anderer Punkt wurde auch angesprochen: Sie hat ihm jeden Tag mindestens eine Mahlzeit zu geben, denn Juan Pablo hatte uns gesagt, dass dies oft nicht der Fall sei. Als ich ihr das sagte, fing sie an zu weinen und nannte es eine Lüge, sie habe bald genug von Juan Pablo, denn er beachte sie nicht, verbringe vielmehr den ganzen Tag in den Spielhallen, wo er das ganze Geld ausgebe, das er am Tag verdiene. Er war bei dieser Unterredung dabei, schweigsam wie eine Mumie; schließlich, nach langem Gespräch, vereinbarten wir, dass die Besuche von Miriam häufiger werden sollten und dass sie die täglichen Mahlzeiten der Tante für ihn kontrollieren solle. Ich weiß, dass das ein bisschen verrückt klingt, aber er gibt keinen anderen Weg. Er muss unbedingt sauberer und ordentlicher mit seinen Kleidern werden und versuchen, nicht jeden Tag an die Spielmaschinen zu gehen, damit er ein bisschen Geld für den Kauf seiner Sachen sparen kann. Bis jetzt geht es gut und ich hoffe, dass es noch lange Zeit so bleibt, denn es kommt auch nicht in Frage, dass wir mit der Tante herumstreiten, denn letzten Endes ist sie die einzige, die sich um Juan Pablo kümmern wollte und wenn sie das aufgibt, wären wir in großen Nöten.

Gesundheitlich ist er stark wie ein Stier, die Tante sagt, dass er niemals krank wird, und so läuft es zur Zeit gut, denn solange er kleine Arbeiten hat, einen Platz zum Schlafen und eine Person, die ihn von Zeit zu Zeit aufsucht, funktioniert alles wunderbar, hoffen wir, dass es so weitergeht!

Wie immer erschien Juan Pablo am Muttertag mit einer Glückwunschkarte, es ist rührend, wie er jedes Jahr diese Aufmerksamkeit für mich hat, es sagt auch etwas über seine Person aus, bei allen seinen Fehlern hat er ein gutes Herz und das erkennt auch seine Tante an.

Nun gut, das ist für heute alles über Juan Pablo, bis zur nächsten Gelegenheit viele Grüße,

María Elena.


 
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