JULI 2004
1. SCHÜLER I, II und III
Schüler I:
Anfang April gab es eine Erhöhung der Schülerzahl, zur Zeit sind es 21. In diesen drei Schulmonaten erbrachten die meisten Kinder gute Leistungen, sie machen ihre Aufgaben ohne große Probleme. Ausnahmen sind nur Rony, Natali, Ricardo, und Diego, stets muss man hinter ihnen her sein, damit sie ihre Aufgaben machen und lernen, andernfalls tun sie gar nichts.
Verhaltensmäßig ganz oben stehen Diego , der sich fast ebenso benimmt wie vorher in der Vorschulklasse und Martín, der noch launenhafter geworden ist und mit dem seine armen Schwestern regelmäßig zu kämpfen haben, wenn sie ihn ins Heim bringen, an manchen Tagen gibt er sich noch größere Mühe: er wirft sich auf den Boden und bekommt einen unglaublichen Wutanfall! Mit der Mutter sprachen wir schon, sie will ihn zum Psychologen bringen, hoffen wir, dass er sich bessert! Zu diesen beiden gehört noch Jesús, der seine Klassenkameraden stört und sehr lästig werden kann. Die anderen Kinder sind lebhaft, aber kontrollierbar.
Schüler II:
Auch hier stieg die Zahl der Kinder im Vergleich zum Sommer an, im Moment sind es 22. Die meisten von ihnen arbeiten in der Schule mit und haben gute Noten. Ausnahmen sind Camila und Jorge, sie sind stets zu ermahnen, damit sie lernen und ihre Aufgaben machen. Natürlich ist das bei den anderen Kindern nicht viel anders, doch der Unterschied ist, dass sie gehorchen und sich an die Arbeit machen.
In bezug auf das Verhalten sind Camila und Kevin die Streithähne der Klasse, die stets widersprechen und niemals ihren Mund halten, manchmal sind sie so ungezogen, dass die Lehrerin sie zur Ordnung rufen muss. Katiuska ist schwatzhaft bis zum Umfallen, niemals schweigt sie lange still und das bringt ihr Probleme ein.
Ein Ausnahmefall ist José Luis Valencia, der in der Schule ganz gut ist, aber ein schreckliches Temperament hat!! Wenn etwas seinen Zorn erregt, verwandelt er sich in einen Pitbull und wird unerträglich. Seinem Alter nach müsste er in der Klasse Schüler III sein, aber durch die unüberbrückbaren Differenzen mit einem anderen Kind mussten wir ihn aus der Klasse nehmen, um weiterarbeiten zu können, jetzt hat er sich ein bisschen beruhigt, warten wir ab, wie lange es anhält!
Schüler III:
Die Klasse besteht zur Zeit aus 21 Kindern, unter ihnen sind Lady Anthony Leonardo und Maribel die in der Schule nicht gut sind und zwar nur, weil sie kleine Faulpelze sind, sie möchten alles mit der geringsten Anstrengung machen und das genügt nicht, es zeigt sich in den Noten. Die übrigen sind keine Musterschüler, aber sie strengen sich ein bisschen mehr an und das macht den Unterschied.
Im Verhalten sind die Zwillinge Castillo immer noch gleich, sie ärgern ihre Klassenkameraden und das können sie nur tun, weil sie niemals Aufgaben mitbringen und einfach zuviel Zeit haben. Wir haben deshalb mit der Lehrerin gesprochen und vereinbart, dass die Zwillinge, wenn sie keine Hausaufgaben mitbringen, nur das Mittagessen bei uns einnehmen und dann nach Hause gehen, denn sonst können die anderen Kinder nicht in Frieden arbeiten. Leonardo ist auch ein bisschen unbequem, aber im ganzen sind sie normal, ohne dass sie deshalb Engelchen wären - aber auch keine kleinen Teufel!
2. Vorschulkinder:
Zur Zeit haben wir 18 Kinder und das ist eine gute Nachricht, die vielen Anstrengungen waren erfolgreich und wir konnten die Zahl der Kinder vergrößern. In diesen ersten Monaten ist kein großer pädagogischer Fortschritt festzustellen, aber wir wissen schon, welche von ihnen die Absicht haben, etwas zu lernen, und welche das ganze Jahr über Ferien haben wollen. Zu der zweiten Gruppe gehören: Brenda José Fabiola und Rafael Castro, sie strengen sich so wenig wie möglich an und werden unruhig, wenn in den Klassen gearbeitet werden soll, jedoch man sollte ihnen ihre Chance lassen und ihnen Zeit geben. Wenn sie im nächsten Vierteljahr ihre Haltung beibehalten, dann sind sie leider auf dem Weg zum richtigen Faulpelz - doch lassen wir ihnen Zeit!
Die anderen Kinder sind nicht fanatisch in ihrem Lerneifer, aber sie machen, wenn auch zähneknirschend, ihre Aufgaben und gehorchen, dafür sind sie zu loben.
Renzo verhält sich ein bisschen unangenehm gegenüber seinen Kameraden, doch auch die anderen sind nicht gerade sehr ruhig, sondern haben ihre Momente schlechten Benehmens, doch solange es sich um "Momente" handelt, behält die Lehrerin ihre Fassung.
3. Das Nest:
Hier macht sich die größere Zahl an Kindern bemerkbar, denn zur Zeit sind es 17 und das ist sehr gut, wir sind alle zufrieden mit dieser Zahl und hoffen, sie aufrechtzuerhalten. Der pädagogische Fortschritt in diesem ersten Vierteljahr ist ziemlich mäßig, doch man muss berücksichtigen, dass alle neu sind und viele von ihnen in keiner Art von Kindergarten waren, noch weniger haben sie gemalt, geklebt oder ähnliches gemacht, sodass die ersten Monate eigentlich dem Eingewöhnen dienen. Natürlich wird mit ihnen nach dem Programm gearbeitet, aber die Ergebnisse sind nicht sehr gut; einige dieser Kinder sind mit Eifer bei der Sache, doch andere haben keine Lust, einen Finger zu rühren. Sie müssen sich jedoch nach und nach daran gewöhnen, ich bin sicher, dass ihnen das gelingt und dass die Ergebnisse besser werden.
Im Verhalten sind die meisten launenhaft und weinerlich, aber sie wechseln sich tageweise ab, damit alle die Gelegenheit bekommen, die Lehrerin zu ärgern - letzteres ist ein Scherz, doch dass sie launenhaft sind, das stimmt!
4. Gesundheit:
Es wurden nur zwei medizinische Überprüfungen vorgenommen:
4.1. Ärztliche Bewertung der psychomotorischen und allgemeinen Entwicklung der Kinder unter 5 Jahren in den Klassen Nest und Vorschule.
4.2. Medizinische Kontrolle der drei Schülerklassen.
Beide Maßnahmen wurden von Gesundheitszentrum Francisco Bolognesi durchgeführt.
5. Soziales:
Bedingt durch die höhere Zahl an Kindern hatte Miriam viele Hausbesuche zu machen, um festzustellen, ob sie aufgenommen werden konnten. Sie sprach mit den Lehrerinnen über die pädagogischen Programme und machte selbstverständlich auch ihre übrige Arbeit wie die Ausarbeitung von Berichten und die Kontrolle der Beiträge der Mütter sowie die Überprüfung der Arbeitssituation der Familienväter.
6. Praktikantinnen:
Seit dem Monat April arbeitet Fräulein Laura Schuppel bei uns mit, die ihre Arbeit effizient durchführt, lediglich in sozialer Hinsicht, mit dem Personal, fühlt sie sich noch nicht vollständig integriert.
7. Werkstatt:
Durch das Programm von Rocío hinsichtlich des monatlichen Fortschritts und dadurch, dass das Verschickungsdatum der Ware für Deutschland vorverlegt wurde, herrscht in der Werkstatt totale Aktivität, den ganzen Tag über herrscht Bewegung und die armen Stickerinnen tun, was sie nur können, aber es ist besser so, denn dadurch wird ihr Einkommen ein bisschen höher und damit sind sie sehr zufrieden.
8. Sicherheit:
Der Service der Nationalen Polizei wird fortgeführt.
9. Schlechte Nachrichten:
Es tut mir sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass am 22.Juni Frau Lucía Cervantes starb, die Lehrerin der Klasse Schüler II war. Es war eine Krankheit mit rapidem Verlauf, eine akute Leukämie, und innerhalb von 2 Monaten verstarb sie. Vom 21. April an, wo sie bettlägerig wurde und nicht mehr zur Arbeit kommen konnte, hatte ich jemand für die Vertretung zu bezahlen. Wirtschaftlich gesehen muss uns die Sozialversicherung das Geld für die Zeit, als Frau Cervantes nicht arbeiten konnte, zurückerstatten, das ist jetzt Aufgabe der Buchhalterin.
Im Moment hat eine der Lehrerinnen die Vertretung übernommen und ich bezahle sie separat, doch ich muss mich umsehen, wen ich für diesen Posten engagieren kann. Ich werde mich an die Buchhalterin wenden, um zu besprechen, was das Beste für uns ist und wie wir die passende Person finden können. Sobald die Entscheidung getroffen ist, werde ich es Ihnen mitteilen.
10.
Wir haben schon den neuen Kühlschrank und er ist sehr gut und nützlich. Uschi wird Ihnen noch darüber berichten, er ist aus hauptsächlich aus Edelstahl und hat eine große Aufnahmekapazität, außerdem glaube ich, dass er widerstandsfähig ist und auch eine gröbere Behandlung überstehen kann, was sehr wichtig für seine Lebensdauer ist!
Ich sah mich auch vor die Notwendigkeit gestellt, neues Geschirr für die Klassen zu kaufen, Kochtöpfe und Küchenartikel; da es ziemlich dringend war, benutzte ich das Geld aus der Rechnung, jedoch spendeten danach zwei andere Ex-Praktikanten, Claudia Salomo und Jan Erbsmehl, $ 200 (amerikanische Dollar) und das war eine große Hilfe. Ich weiß, dass ich mehr als nur diese Summe ausgab, aber ich glaube, das hat sich ausgeglichen, es war wirklich notwendig!!
Ich kaufte auch das neue Mobiliar für die Klasse Schüler II, es ist sehr hübsch.
11. Heimkinder:
Luzmila.- Sie ist jetzt in der ersten Klasse der Mittelstufe (en primero de media) und geht weiter in ihre alte Schule, wo sie einen Tutor hat und ich zahle weiterhin dafür, gleichzeitig ist sie im Programm für Fernstudien, wofür ich einen viel kleineren Betrag begleiche, den ich auf der Bank einzahle. Sie schicken mir dann aus Lima das ganze Arbeitsmaterial und der hiesige Tutor erklärt Luzmila den Lernstoff und ist gleichzeitig beauftragt, sie die nötigen Prüfarbeiten machen zu lassen, die er dann nach Lima zur Korrektur schickt.
Eine andere Sache ist, dass sie in ihrer Schule praktische Dinge lernt wie Kochen, Elektrizität usw., darüber ist sie sehr zufrieden und man merkt, dass sie etwas lernt.
Ihr Verhalten ist wie immer, und was die Arbeit im Heim betrifft, versucht sie meistens, sich zu drücken, man darf nicht weit weg sein und muss sie überwachen, damit sie etwas tut. Das ist auch eine Form der körperlichen Betätigung, denn sie nimmt nicht viel ab aus dem einfachen Grund, dass sie alles isst, was in ihrer Reichweite ist, einschließlich des Mittagessens von Félix, darüber musste ich sehr ernsthaft mit ihr sprechen. Bewegen möchte sie sich überhaupt nicht, ihr Hobby ist Schlafen, schon deshalb versuchen wir, auf sie aufzupassen, doch manchmal gewinnt sie und hat die Oberhand und wenn ich sie dann wiege, bekomme ich fast einen Infarkt, denn statt weniger ist das Gewicht mehr und das ist wirklich katastrophal, doch der Kampf geht weiter.
Gesundheitlich geht es ihr gut, mit Ausnahme einiger Erkältungen.
Rosel.- Er bestand dieses Examen nicht, er lernte wohl nicht genug, es fehlte noch ein wenig Anstrengung, aber wir werden es das nächste Mal versuchen und ich bin zuversichtlich, dass es ihm gelingt, denn er hat mehr Eifer als Félix und ich sehe, wie er über seinen Büchern sitzt. Ich meldete ihn nicht in der Akademie an, weil die Prüfung für sein Studienprogramm, Jura, mehr aus Theorie besteht und das wird nicht an der Akademie gelehrt, sondern muss aus den Büchern gelernt werden. Er nahm mir das ab und ist damit einverstanden, jetzt lernt er im Haus.
Wenn er nicht gerade lernt, macht er manche Arbeiten und macht sie gut, er hat gelernt, seine Hände zu gebrauchen und ist geschickt im Reparieren und Renovieren.
Was die Gesundheit betrifft, ist er am wenigsten krank, ich glaube, dass er nicht einmal die Grippe hatte.
Félix.- Gott sei Dank wurde er aufgenommen!!! Er bewarb sich bei diesem beruflichen Ausbildungszentrum und bestand, jetzt studiert er Metallkonstruktionen, ist sehr zufrieden und hat gute Noten. Das nach meiner Ansicht einzig Schlechte ist, wenngleich es ihm gar nicht unangenehm ist, dass er jeden Sonntag verpflichtet ist, im Zentrum zur Messe zu gehen, doch wie gesagt, er scheint sich nichts daraus zu machen.
Sein Verhalten ist gut, vor allem, weil er sich so wenig im Heim aufhält, meistens bleibt er den ganzen Tag im C.E.O. und kommt erst zum Abendessen zurück. An den Wochenenden hilft er bei den verschiedenen Arbeiten im Heim mit, außerdem muss er seine Wäsche waschen und sein Zimmer in Ordnung halten, kurzum, er hat jetzt nicht viel freie Zeit.
Ich hatte einige Probleme mit ihm, denn er wollte nicht essen. Da er den ganzen Tag beim Unterricht war, schickten wir ihm seine Mahlzeit in einem Spezialgefäß, damit er dort zu Mittag essen konnte, doch er tat es schließlich nicht und begann abzunehmen. Nach Rücksprache mit ihm vereinbarten wir, dass er sich leichte Sachen und Früchte für mittags mitnehmen sollte und abends nimmt er dann sein Mittagessen zu sich, das klappt jetzt gut.
Durch den Gewichtsverlust ereilte ihn eine schreckliche Erkältung!!. Es gab Komplikationen mit den Mandeln und er glühte vor Fieber, doch er nahm die entsprechenden Medikamente ein und vor allem, er ernährte sich gut und wurde gesund.
Juan Pablo.- Er kommt von Zeit zu Zeit zu Besuch, seine Tante kommt am Anfang des Monats, um das Geld abzuholen und wir sprechen dann miteinander, so wie ich auch mit ihm spreche. Sein Verhalten ist fast ebenso, wie es hier war, aber er ist in der Weise reifer geworden, als er jetzt merkt, dass das Leben schwer ist und dass man arbeiten muss, wenn man gut leben will. Deshalb ist er immer auf der Suche nach kleinen Arbeiten, um Geld zu haben und sich etwas zu kaufen oder seiner Tante etwas für den Notfall zu geben. Er ist ein guter Junge, aber wie die Tante sagt, faszinieren ihn die Feste an den Wochenenden, er kommt erst spät zurück und natürlich hält das die Tante in Spannung, da sie keine Ruhe findet, bis sie ihn auftauchen sieht, aber sonst sieht es gut aus. Er bekommt immer das Frühstück und eine Mahlzeit mit ordentlichem Essen, natürlich nicht in den Riesenportionen, die er sich im Heim zu nehmen pflegte, deshalb nahm er ab und sieht jetzt viel besser aus, nicht so dick und grob wie früher. Die Tante und er sagen übereinstimmend, dass er bis jetzt nicht krank war und das ist gut. Am Muttertag hatte er einen netten Einfall, denn er kam ins Heim mit einem Blumenstrauß für mich, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass mich das rührte. Von den vieren war immer er es, der an diese kleinen Dinge dachte, doch wenn man bedenkt, dass er jetzt nicht mehr im Heim lebt, hätte ich nie gedacht, dass er sich erinnert und er überraschte mich auf angenehme Art, so ist er.
Nun gut, das ist alles für heute, bis zur nächsten Gelegenheit,
María Elena.
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